NZZ, 11.12.2022

Gerechtfertigt hat sich die Schulleitung inzwischen dafür, dass sie ihren Instagram-Kanal linksradikalen Queer-Aktivisten überlassen hat. Man habe die politische Dimension nicht erkannt.

Der Instagram-Account der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) wird manchmal Dritten überlassen. Diese können die Reichweite des Kanals nutzen, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Während des internationalen Hebammentages etwa durften angehende Geburtshelferinnen über ihre Ausbildung berichten.

Im Rahmen des Zürcher Pride-Festivals im letzten Juni überliess die Hochschule ihren Kanal Queer-Aktivistinnen und -Aktivisten. Das sollte sich im Nachhinein als grosser Fehler entpuppen. Denn die Aktivisten nutzten den Kanal nicht etwa, um für mehr Toleranz und Offenheit zu werben. Stattdessen platzierten sie einen Demo-Aufruf einer antikapitalistischen Organisation auf dem Instagram-Account der staatlichen Zürcher Bildungseinrichtung.

Der Post führte zu empörten Reaktionen. Die ZHAW drückte schnell öffentlich ihr Bedauern darüber aus, dass es zu einem Beitrag mit politischem Hintergrund gekommen sei. Auch politisch hatte der Vorfall Folgen. Eine Kantonsrätin und zwei Kantonsräte verlangten Auskunft über die Vorfälle.

Am Donnerstag nun hat die Regierung ihre Antwort zum Vorfall publiziert, welche wiederum auf Angaben der Hochschule basiert. Laut diesen hatten die Aktivisten nicht etwa völlig freie Hand über den Account. Stattdessen prüften gleich mehrere Mitarbeitende den Beitrag vor der Publikation, erkannten aber dessen politische Botschaft nicht. Man habe Massnahmen ergriffen, um solche Vorfälle künftig zu vermeiden.

Diversity-Team der ZHAW kostet eine halbe Million pro Jahr

Richtig ungemütlich werden könnte es für die ZHAW nun bei den Beratungen des kantonalen Budgets 2023. Dies aber nicht nur wegen der antikapitalistischen Aktion, sondern wegen eines Diversity-Teams der Hochschule. Dieses besteht aus fünf Personen und kostet pro Jahr über eine halbe Million Franken.

Die Stabsstelle beschäftigt sich mit Themen wie mit einem «Leitfaden für einen inklusiven Sprachgebrauch». Dieser nimmt «den aktuellen Diskurs zu Gender, Nonbinarität, Diversity und Inklusion auf», wie es in der Einleitung heisst. Selbst sprachlich so harmlos anmutende Ausdrücke wie «altersschwache Infrastruktur» sind laut dem Leitfaden diskriminierend; korrekt heisst es «marode Infrastruktur».

Im Kantonsrat sind dazu Anfragen hängig. So will der Parteilose Hans-Peter Amrein (Küsnacht) wissen, welche Konsequenzen es für die Bewertung einer Arbeit habe, wenn die Sprache nicht gendergerecht verwendet werde. Vor allem aber hat Amrein beim Budget den Antrag gestellt, der Hochschule 750 000 Franken zu streichen.

«Totalitäre Haltung wie in einer Diktatur»

Der Antrag richtet sich gegen die Diversity-Stabsstelle der ZHAW. Diese soll redimensioniert werden, ihre Mitarbeitenden sollen in andere Backoffice-Funktionen versetzt werden, wenn Stellen frei werden.

«Wenn eine Abteilung das Gefühl hat, sie müsse den Duden neu schreiben und einen Sprachleitfaden für gendergerechte Sprache erlassen, dann muss man sie auflösen und die Leute dort einsetzen, wo es der ZHAW etwas bringt», sagt Amrein. Die Diversity-Stelle lege eine totalitäre Haltung an den Tag, wie man sie sonst nur aus Diktaturen kenne.

In den Aufgabenbereich der Diversity-Stelle fallen allerdings auch Aufgaben wie die Integration von behinderten Menschen. Sie sollen einen barrierefreien Zugang zum Studium erhalten. «Dagegen habe ich selbstverständlich überhaupt nichts», sagt Amrein. «Aber dann sollen sie die Zuständigen auch entsprechend benennen.» Sein Kürzungsantrag umfasse überhaupt keine Kürzung der Betreuung und Integration von behinderten Menschen an der ZHAW.

Die Hochschule wollte Amreins Kürzungsantrag auf Anfrage nicht kommentieren. Sollte der Antrag durchkommen – es wäre angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Parlament doch eine Überraschung –, würde das die ZHAW finanziell allerdings nicht in den Grundfesten erschüttern. Ihr Jahresbudget liegt bei über einer halben Milliarde Franken.