«Sehe ihn nun lügen»: Eklat an Wahlpodium zu Küsnachter Gemeindepräsidium

Zürichseezeitung, 25.02.2026

Zwei Kandidaten treten an Herausforderer Hans-Peter Amrein stritt sich an einem Podium mit Gemeindepräsident Markus Ernst. Überraschend war der Auftritt der Journalistin, deren Freistellung im Dorf viel zu reden gab.

Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) spricht am Wahlpodium in Küsnacht ins Mikrofon.
Markus Ernst (links) diskutierte mit Hans-Peter Amrein über Themen, die das Dorf bewegen.
Foto: Patrick Gutenberg

 

Im Rennen um das Küsnachter Gemeindepräsidium ist ein hitziger Wahlkampf entbrannt. Der parteilose Hans-Peter Amrein fordert den bisherigen Amtsinhaber Markus Ernst (FDP) heraus. Amrein politisierte lange im Kantonsrat, zuerst als SVP-Mitglied, dann als Parteiloser. Er kommentiert Entscheide des Gemeinderats öfters kritisch und ging mehrmals juristisch dagegen vor, wenn er sie als nicht rechtmässig befand.

Am Dienstag traten die beiden Kontrahenten nun im Saal des Küsnachter Hotels Sonne an einem Wahlpodium gegeneinander an. Zu dem Abend eingeladen hatte Amrein. Und das Interesse war gross: Die 160 Stühle waren alle besetzt, einige verfolgten das von Kommunikationsexperte Andreas Schürer moderierte Duell deshalb stehend. Nachdem sich die weiteren Küsnachter Kandidierenden für den Gemeinderat und das Schulpräsidium vorgestellt hatten, ging es heiss her.

Plötzlich wird es dunkel im Saal

In der Fragerunde nach dem Streitgespräch gab es sogar einen Eklat. Dazu kam es, als Manuela Moser das Wort ergriff. Sie war bis Anfang 2025 Redaktionsleiterin beim «Küsnachter» – einer inzwischen eingestellten Lokalzeitung. Der Verlag, der den «Küsnachter» herausgab, hatte sich damals überraschend von Moser getrennt, was im Dorf viel zu reden gab. Der Vorwurf: Der Gemeindepräsident habe Einfluss auf die Personalentscheide des Verlags genommen. Die Gemeinde hat dies jedoch stets bestritten.

Manuela Moser, entlassene Redaktorin des «Küsnachter», spricht am Wahlpodium in Küsnacht.
Manuela Moser sagte, die Vorgänge in Küsnacht hätten ihr Berufsleben auf den Kopf gestellt.
Foto: Patrick Gutenberg

Sie sei heute erstmals wieder zurück in Küsnacht, erklärte Moser. «Und ich sehe ihn nun erstmals blank lügen», sagte sie in Richtung Markus Ernst. «Das erstaunt mich sehr.» Dass sie an einem ihrer Freistellung vorangegangenen Gespräch der Gemeinde mit dem Verlag kein Thema gewesen sei, sei nicht wahr. Dann zitierte Moser aus einem Mail, das nach dem besagten Gespräch zu ihr gelangt war. Demnach hatten Ernst – und gemäss seiner Aussage der gesamte Gemeinderat – das Verhältnis mit der Redaktion des «Küsnachters» als sehr schlecht bezeichnet. Dieses Gespräch habe ihr Berufsleben auf den Kopf gestellt.

Als Markus Ernst dazu Stellung nehmen wollte, ging im Saal mysteriöserweise für einen kurzen Moment das Licht aus. Als es wieder hell war, antwortete er, dass der Verlag das Gespräch gewünscht habe: dies wegen der neuen Ausschreibung der amtlichen Publikationen. Erst im Verlauf des Gesprächs sei er gefragt worden, wie er mit der Redaktion zufrieden sei. Und als er aktiv gefragt worden sei, habe er gesagt, dass er nicht glücklich sei. Von sich aus habe er das Thema gar nicht ansprechen wollen. Ernst beteuerte: Mosers Kündigung habe er nicht verlangt.

Umstrittenes Tempo 30

Im vorangegangenen Streitgespräch war auch schon Amrein auf die kolportierte Einflussnahme beim «Küsnachter» und die Einstellung der Zeitung zu sprechen gekommen: «Das war sehr, sehr schade», sagte er. Ein künftiger Gemeindepräsident müsse den Puls der Bevölkerung fühlen, sagte Amrein zudem. Zurzeit werde dies jedoch nicht getan.

Ernst wiederum strich die Verdienste des Gemeinderates in den letzten Jahren hervor: darunter etwa das neu gebaute Feuerwehrdepot, das sanierte Seerettergebäude oder die realisierten bezahlbaren Wohnungen an der Freihofstrasse.

Uneinig waren sich die beiden auch bei weiteren Themen, wie etwa dem Verkehr. Amrein bemängelte etwa eine neu geschaffene Tempo-20-Zone, das Verschwinden von Parkplätzen und die geplante Einführung von Tempo 30 auf der Schiedhaldenstrasse. Hier wirft Amrein Ernst vor, die Gemeinde habe sich nicht dagegen gewehrt.

Hans-Peter Amrein spricht am Wahlpodium in Küsnacht ins Mikrofon.
Hans-Peter Amrein hielt sich mit Kritik am aktuellen Gemeinderat nicht zurück.
Foto: Patrick Gutenberg

Markus Ernst, Gemeindepräsident von Küsnacht, spricht am Wahlpodium in Küsnacht ins Mikrofon.
Markus Ernst wehrte sich gegen die Vorwürfe, die am Abend geäussert wurden.
Foto: Patrick Gutenberg

«Es ist nicht richtig, dass der Gemeinderat nichts gemacht hat», entgegnete Ernst. Der Gemeinderat habe dem Kanton klargemacht, dass er gegen Tempo 30 auf der Schiedhaldenstrasse sei. Weil die Idee aber wegen Lärmschutzgründen aufgekommen sei, habe der Gemeinderat auf eine Beschwerde gegen den Entscheid des Kantons verzichtet. Eine solche erachte er aufgrund früherer Urteile als praktisch aussichtslos.

An dem Abend zeigte sich: Die Meinung in der Bevölkerung ist gespalten. Während die einen Votanten Amrein fehlende Konsensfähigkeit vorwarfen, kritisierten andere den Führungsstil von Ernst. Wer der beiden die Stimmberechtigten letztendlich mehr überzeugt, wird sich am Wahlsonntag vom 8. März zeigen.