16.11.22, ZSZ

Mit mehreren Plakaten im Kanton buhlt ein gewisser Hans-Peter um die Gunst der Bevölkerung. Dahinter steckt der parteilose Kantonsrat Hans-Peter Amrein aus Küsnacht.

Der Küsnachter Kantonsrat Hans-Peter Amrein ist immer wieder für Überraschungen gut. Zuletzt im Frühling, als er mit seiner Partei brach und aus der SVP des Kantons Zürich austrat. Auslöser dafür war die Nomination des Herrlibergers Domenik Ledergerber als neuer SVP-Präsident. Amrein, der sich einst selbst für dieses Amt interessierte, störte sich daran, dass die Parteileitung das Kandidatenfeld von Beginn weg auf eine einzige Person eingegrenzt hatte, statt es für weitere Bewerber zu öffnen.

Seither politisiert Amrein im Kantonsrat als Parteiloser. Wie seine politische Zukunft aussehen würde – im Februar 2023 finden die Erneuerungswahlen statt –, werde er im Herbst bekannt geben, sagte er damals.

Für den kleinen Mann

Nun wartet er mit dem nächsten Coup auf: An mehreren Orten im Kanton stehen plötzlich riesige Plakate mit der Aufschrift «Hans-Peter für Zürich!». Darauf ist die Silhouette von Amrein abgebildet und der Name einer Website aufgedruckt.

Wer diese aufruft, muss weiterhin Rätsel raten: «Wer ist Hans-Peter?» steht dort zum Beispiel. Die Frage bleibt zwar offen, aber immerhin erfährt man, dass sich der ominöse Hans-Peter für den kleinen Mann einsetzen will: Er ist fürs Gewerbe, gegen höhere Krankenkassenprämien und gegen mehr Verbote. Leserinnen und Leser erfahren auch, dass Hans-Peter zwar einer ist, «den Zürich braucht», dass er umgekehrt aber auch Hilfe aus dem Volk benötigt. Wer mehr wissen will, muss ihm schreiben.

An mehreren Standorten im Kanton

Dass die Plakate nicht ausschliesslich in Amreins angestammtem Wahlkreis, dem Bezirk Meilen, aufgestellt sind, sondern beispielsweise auch in Wädenswil, Uster und Gossau, gibt Anlass zu Spekulationen. Will er sich etwa gar nicht als Kantonsrat wiederwählen lassen, strebt er vielmehr nach Höherem? Kandidiert er etwa für den Regierungsrat?

So rätselhaft wie die Kampagne selbst ist auch Amreins Antwort auf diese Frage. Am Telefon lacht er zuerst, dann sagt er: «Wie Sie wissen, bin ich Kantonsrat. Da gibt es viele Möglichkeiten. Für dieses Amt kann man auch im Bezirk Horgen oder Uster kandidieren.» Mehr dazu sagt der provokative Politiker nicht. Stattdessen verweist er auf eine Pressekonferenz am 25. November, an der er die Katze aus dem Sack lassen will.

Gerangel um Sitze im Regierungsrat

Kommt es tatsächlich zu seiner Kandidatur für den Regierungsrat, wird das Feld der Anwärterinnen und Anwärter noch breiter. Dabei ist das Gerangel um einen Sitz im Regierungsrat ohnehin schon gross. So treten alle sieben Bisherigen zur Wiederwahl an, also die SVP-Regierungsräte Ernst Stocker und Natalie Rickli, Carmen Walker Späh (FDP), Silvia Steiner (Mitte), Martin Neukom (Grüne), Jacqueline Fehr (SP) sowie der aus der SP ausgetretene und nun als Parteiloser kandidierende Mario Fehr.

Die SP tritt zudem neu mit Nationalrätin Priska Seiler Graf an, um nach dem Parteiaustritt von Sicherheitsdirektor Mario Fehr ihren zweiten Sitz zurückzuerobern. Auch die FDP will wieder einen zweiten Sitz im Regierungsrat und schickt zusätzlich Peter Grünenfelder, den Direktor von Avenir Suisse, ins Rennen. Die GLP schliesslich, die nicht in der Zürcher Regierung vertreten ist, hat Kantonsrat Benno Scherrer nominiert. Hinzu kommen weitere Kandidaten von Kleinparteien. Und nun also auch Hans-Peter Amrein?

Michel Wenzler schreibt seit 2006 hauptsächlich über die Region Zürichsee. Er studierte Publizistikwissenschaft, Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität Zürich und doktorierte an der Universität Bern.