Limmattaler Zeitung, 10.12.2022

Hans-Peter Amrein tritt nach seinem Austritt aus der SVP als parteiloser Regierungsratskandidat an. Der streitbare Kantonsrat präsentiert Lösungen für alle Direktionen.

Wer ist Hans-Peter? In riesigen Buchstaben platzierte Hans-Peter Amrein diese Frage auf Plakaten, ehe er seinen Regierungsrats-Wahlkampf Ende November offiziell und mit Nachnamen lancierte. Er nahm damit vorweg, was im Wahlkampf ein Handicap sein könnte: Mangelnde Bekanntheit, zumindest bei Leuten, die sich nicht näher mit der Kantonalpolitik befassen.

Dabei ist der 64-Jährige Kantonsrat kein unbeschriebenes Blatt. Und das nicht erst seit seinem Austritt aus der Kantonalzürcher SVP, zu dem es diesen Frühling nach Streit mit der Parteileitung kam; diese hatte aus seiner Sicht ohne die nötige Offenheit und Transparenz den Herrliberger Domenik Ledergerber als neuen Kantonalparteipräsidenten lanciert. Schon zuvor war Amrein 2015 sowie 2020 aus der SVP-Kantonsratsfraktion ausgetreten.

Regierungsratswahlen im Kanton Zürich

Am 12. Februar 2023 sind Regierungsratswahlen im Kanton Zürich. Wir stellen die Kandidierenden vor. Hier: Hans-Peter Amrein (parteilos). Der 64-Jährige ist seit 2011 Kantonsrat, bis 2020 gehörte er der SVP-Fraktion an. Amrein ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Küsnacht. (mts)

«Er ist ein sehr kritischer Geist»

Wer also ist Hans-Peter Amrein? «Er ist ein sehr kritischer Geist, der in der Fraktion alles in Frage gestellt hat», sagt Konrad Langhart über ihn. Der Mitte-Kantonsrat gehört wie Amrein seit 2011 dem Kantonsrat an und trat 2019 aus der kantonalen SVP aus. «Ich bezweifle, dass er in ein Kollegialgremium wie den Regierungsrat passen würde», fügt Langhart an.

Anders sieht es SVP-Kantonsrätin Romaine Rogenmoser, die Amreins Unterstützungskomitee angehört: Sie bezeichnet ihn als «extrem dossiersicher, interessiert, grossherzig – und er hört den Menschen zu». Zudem sei er unabhängig. Und: «Er legt den Finger meistens auf die richtige Wunde.»

René Isler, SVP-Kantonsrat seit 2003, bringt seine Einschätzung Amreins in einem Satz auf den Punkt: «Man kann alle vorzüglichen Fähigkeiten eines Herzchirurgen haben, aber wenn man statt eines Stiletts die Kettensäge am offenen Herzen benutzt, scheitert jeder noch so gute Vorsatz.» Und Thomas Forrer, Kantonsrats-Fraktionschef der Grünen, meint: «Hans-Peter Amrein ist sehr arbeitsam, aber auch sehr ungeduldig. Er sucht die Auseinandersetzung und nicht den Dialog.»

Vorschläge für alle Regierungsrats-Direktionen

Als offen, ehrlich und direkt bezeichnet Amrein sich selbst. Dossierkenntnisse spricht dem streitbaren Kantonsrat niemand ab. Aktuell gehört er der kantonsrätlichen Geschäftsprüfungskommission an, früher war er in der Justizkommission und in der Kommission für Staat und Gemeinden. Auf seiner Website präsentiert er für alle regierungsrätlichen Direktionen Vorschläge.

So spricht er sich gegen einen weiteren Ausbau der Verwaltung aus, für den Ausbau der Hauptverkehrsstrassen, gegen «übertriebene Bauvorschriften», für einen Ausbau der Kraftwerke und eine Abkehr von der integrativen Schule.

Umwelt- und Klimaprobleme seien nicht durch Verbote, sondern durch Innovation und Forschung zu lösen. Der Sicherheitsdirektion empfiehlt er eine «konsequente Bekämpfung der Ausländer- und Jugendkriminalität», der Gesundheitsdirektion eine Deckelung der Gesundheitskosten. Der Direktion der Justiz und des Innern rät er von «Steuergeldverschleuderung für überflüssige Integrationsprogramme» ab.

Vom Banker zum Gründer einer Ein-Mann-Firma

Geboren wurde Amrein 1958 in Zürich. Von 1977 bis 2001 arbeitete er für verschiedene Schweizer Banken im In- und Ausland. Stationen waren dabei Deutschland, die USA, der Mittlere Osten, Grossbritannien und Liechtenstein. Seit 2002 führt er im Zürcher Seefeld die von ihm gegründete Beratungsfirma SAS Consulting & Dienste GmbH. Der Ein-Mann-Betrieb ist auf Abklärungen bei Verdacht auf Wirtschaftsdelikte spezialisiert.

Als Hobbys nennt er: Lesen, Skifahren und Politisieren. Und auf dem Musterwahlzettel für den Regierungsrat, den er auf seiner Website präsentiert, steht genau ein Name: Amrein. Hans-Peter. Für den Kantonsrat tritt er nicht mehr an.